Erik Heier

Elite verpflichtet

Sat 1 startet die neue Serie „GSG 9“ – und verschiebt gleich die erste Folge wegen Live-Fußball

Märkische Allgemeine, März 2007

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Kurzer Zwischenstand aus dem Sat-1-Stadion: Meistens-Meister Bayern München gegen die Neulinge von „GSG 9“ – 1:0. Denn wo heute Abend in der neuen Action-Serie „GSG 9“ Terroristen gejagt werden sollten, will statt dessen Oliver Kahn ein paar Bälle extra fangen. Mit dem Griesgramgesicht des Bayern-Torwarts könnte man zwar auch allerlei Spitzbuben verstören. Das bleibt heute aber Real Madrid vorbehalten. Für den Überraschungscoup, das Champions-League-Achtelfinalrückspiel live zu zeigen, hat Sat 1 sogar den Start seiner aufwändigen Eigenproduktion „GSG 9“ beiseite gekickt: auf morgen, 20.15 Uhr. Das geht ja gut los.

Immerhin heißt der Spezialauftrag der „GSG 9“ doch nicht nur, sich mit Geiselnehmern, einem potenziellen Virenbomber auf einer WHO-Konferenz oder einem Selbstmordattentäter in einem BVG-Bus zu befassen. Die 13-teilige Serie soll vor allem Sat 1 beim Kraxeln aus der „Quotendelle“ behilflich sein.

Mit dieser Vokabel versuchte der neue Sendergeschäftsführer Matthias Alberti kürzlich verbal einige schlimme Krater im Zuschauerinteresse wenigstens verbal auszubessern. Sein Vorgänger Roger Schawinski hatte sogar bei Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble persönlich die Erlaubnis für die Verwendung des prestigeträchtigen Namens „GSG 9“ eingeholt.

Gleich die erste Folge geht morgen mit der Geiselnahme von amerikanischen Schwimmsportlerinnen in einem Berliner Hotel mächtig in die Vollen. Der dramaturgische Fauxpas, den drohenden Explosionstod eines der Helden nicht einmal ansatzweise ausgespielt zu haben, ist den Machern aber hoffentlich nur einmal passiert.

Denn vor und während der Dreharbeiten meist in Berlin und Umgebung nahm man sich einen echten, wenn auch ehemaligen GSG-9-Mann als Berater. Der sorgte für einigermaßen realistische Abläufe – den knappen, abkürzungssatten Funkverkehr zum Beispiel. Dass stets Minuten nach Einsatzbeginn immer schon ein Nachrichtensender – obendrein mit echten Sat 1-Anchormännern wie Thomas Kausch – die Problemlagen herausposaunt, wird ihn weniger begeistert haben.

Wenn „GSG 9“ scheitert, dann nicht an handwerklichen Mängeln oder fehlenden Ambitionen. Die Schnitte sind schnell und präzise, der Erzählrhythmus ausbalanciert, die Actionsequenzen wohltuend nüchtern. Das Interesse an psychologischen Konflikten bleibt immer spürbar.

Wohl sind die fünf Profis der in Berlin-Weißensee stationierten GSG 9-Einheit nach Boygroup-Manier zusammengestellt. Aber nicht ganz so veränderungsresistent stereotyp. So ist Geb (Marc Ben Puch) der unumstrittene Chef der Einheit; bei seiner Familie und besonders seiner Frau aber, die sich vernachlässigt fühlt, droht ihm die Kontrolle zu entgleiten. Oder Andreas Pietschmanns adliger Konny. Der wird nicht auf den schnöseligen Hochwohlgeborenen mit Wohnsitz Potsdam reduziert. Mit dem einzig prominenten Mimen, André Hennicke, ist der knochige „GSG 9“-Kommandeur Anhoff bestens besetzt. Ob das aber reicht?

„GSG 9“ muss sich nun einmal an den amerikanischen Vorbildern messen lassen, obwohl sie diese nicht kopiert, allenfalls adaptiert. Die US-Serien aber sind schneller, härter, noch aufwändiger. Skrupelloser auch. Allen voran „24“. Aber selbst deren kürzlich abgelaufene fünfte Staffel schwächelte in den Quoten. Schöne Aussichten.

Nächste Woche soll „GSG 9“ am eigentlichen Sendeplatz in die zweite Runde gehen. Dann jeden Mittwoch, 21.15 Uhr. Falls nichts dazwischenkommt.

Oliver Kahn zum Beispiel.

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