Regina: Das Floaten beginnt ja erst mit dem Duschen.
Danach, bevor Sie dann in die Floatwanne steigen, würde ich Sie
bitten, hier das Licht auszumachen. Das hat den Hintergrund, möchten
Sie gerne ganz im Dunkeln floaten, wäre auch wenn der Deckel
geschlossen ist so n kleiner Lichteinfall im Tank, das könnte
unter Umständen dann stören. Ja, dann geht es hier rein -
unbekleidet. Und Sie legen sich so hin, dass sie mit dem Kopf hier
vorne liegen, damit sie an die verschiedenen Knöpfe kommen. Der
schwarze Knopf ist für den Deckel, wenn sie da drauf drücken,
schließt der Deckel sich, wenn sie hier drauf drücken, öffnet
er sich wieder. Er lässt sich jetzt nicht stufenweise
regulieren.
Martina: Okay, dann muss ich jetzt noch einmal auf die
Toilette.
Regina: Gut, dann wünsch ich Ihnen schöne
Entspannung.
Sprecherin: Deckel auf, Martina rein, Deckel zu. Eine
Stunde darf die Studentin nun in einer rundum verschlossenen
Riesenbadewanne plantschen - genau genommen in einem Isolations-Tank
im Float Centre am Berliner Gendarmenmarkt. Der Tank sieht aus wie
eine Mischung aus Delfin und Riesenei. Bläulich schimmernd,
rund, 2,40 Meter lang, 1,60 Meter breit. Gefüllt ist er mit
einer Lösung aus 600 Litern körperwarmen Wasser und 300 kg
Salz. Drinnen ist es zappenduster. Nach 10 Minuten verstummt die
Musik. Martina ist völlig abgeschirmt von der Außenwelt.
Sie sieht nichts, hört nichts, spürt noch nicht einmal ihr
eigenes Gewicht. Beim Floaten treibt der Körper wie ein Korken
auf dem Salzwasser - und der Geist entschwebt in tiefere Sphären.
Werner Held: Ich hab mit dem Tank rumgeschmust, mit
diesem warmen Wasser sich so treiben lassen, sobald man sich bewegt,
ist der Körper wieder da und er ist sehr schön da.
Benjamin Tochtermann: Der Tiefegrade, den ich einfach
erfahren habe, ist dass ich das Gefühl hatte in nem unendlichen
Raum zu sein, und auch das Oben-und-unten-Gefühl sich aufgelöst
hat, wie n Bewusstseinspunkt in irgend einem undefinierten Raum sich
zu bewegen und damit hebt sich n bisschen auch diese Zeitwahrnehmung
auf.
Jörg Karst: Also das Gefühl, das ich immer
wieder habe, ist mitten auf dem Meer zu liegen und mich um mich
selbst zu drehen, was natürlich de facto gar nicht geht, ich
bin ein 2-Meter-Mann und die Tanks sind ein bisschen größer
als ich. Aber das ist das Gefühl der absoluten Entspannung.
Sprecherin: Jörg Karst ist betreuender Arzt im
Berliner Floatcenter. Vor einem Jahr haben er uns seine Frau das
Zentrum gegründet - als Entspannungsoase für gestresste
Großstädter.
Jörg Karst: Also der wichtigste Punkt liegt
darin, dass die Muskulatur gelöst wird, dass die Verspannungen
gelöst werden, dann führt diese Entspannungssituation zu
einer Weitstellung der Gefäße, dadurch sinkt der
Blutdruck. Ganz wichtig ist noch der therapeutische Nutzen für
Hauterkrankungen bzw. bei Neurodermitis oder Schuppenflechte, weil
auch Dermatologen dieses Epsom Salz benutzen - und wenn man davon
ausgeht, dass jede Erkrankung eine psychische Komponente hat, durch
die Entspannungssituation einmal die Möglichkeit dem
Alltagstrott zu entfliehen und ein bisschen aus dem täglichen
Ablauf rauszukommen.
Sprecherin: Ein Rundum-Wohlfühl-Programm also - für
50 Euro pro Stunde. Pech haben nur die Floater, die dann anstatt im
Alltagstrott im Tank gefangen sind - wie zum Beispiel Martina.
Martina: Ich bin am Anfang ziemlich schnell
eingeschlafen und dann bin ich aufgewacht und es war stockdunkel und
ich hab gedacht, ich muss jetzt ganz kurz öffnen, und bei
dieser Eingangseinweisung hat man das ja so erklärt bekommen,
man drückt den Knopf und ich greif nach links, und da ist kein
Knopf, und ich taste die Wand ab, und da ist überhaupt nichts,
wo man draufdrücken könnte, alles glitschig glatt, und
dann hab ich hochgegriffen und dann hab ich richtig so getrommelt.
Also da bin ich regelrecht panisch geworden. Und dann hab ich auch
gedacht, oh Gott, wie eng, und du hältst es hier keine Sekunden
mehr aus - da kann man schon Platzangst kriegen.
Sprecherin: Auch bei Werner Helds ersten Float-Versuchen
wollte sich die ersehnte Entspannung nicht so richtig einstellen.
Werner Held: Ich hatte zuerst größere
Probleme, meinen Kopf loszulassen, die Schultern loszulassen, hatte
da stark damit zu kämpfen, dass ich immer gedacht hab, dass
mein Kopf dann unter Wasser geht und die erste Erfahrung war dann
auch, wie dann alles Licht aus war und der Tank zu war, hatte ich für
nen Moment mal nen richtigen Schreck: Jetzt bin ich hier begraben.
Sprecherin: Schweben ohne Panik ist eine Kunst die geübt
sein will. Bloß wie? Manche Float-Fans meinen, dass es genügt,
auf Kaffee zu verzichten. Manche schwören auf autogenes
Training. Nachdem Martina dann doch noch den richtigen Schalter im
Tank gefunden hat, hat sie es mit progressiver Muskelentspannung
versucht. Muskeln anspannen, Muskeln locker lassen. Erst der
Unterkiefer, dann die Stirn, dann der Nacken, dann die Wirbelsäule.....
Martina: Ich hatte oft den Eindruck, dass ich ja n
Hohlkreuz so n bisschen, und dadurch hab ich dann gedacht, um
dagegen zu steuern, dass ich mal die Beine anziehe - eben in dieser
Embryonalhaltung, und dann bin ich beinahe kopfüber gegangen.
Sprecherin: Zum Glück nur beinahe. Und die
Embryonalhaltung tat ihr Übriges. Seelig waberte Martina im
Mutterleib.+
Martina: Es ist wirklich so n Film auf der Haut, das
gibt einem tatsächlich, das hat so was Glitschiges, das gibt
einem bisschen das Gefühl wirklich in so ner Hülle zu
liegen. Und dadurch war bei mir der Impuls, du musst die Beine
anziehen. Ich hätte es mir schön vorgestellt, wenn das Ei
gestanden hätte, und man in der Hocke drin gewesen wäre.
Und das war auch immer mein Bestreben in diese Position zu kommen.
Das fand ich total schön, diesen glitschigen Film auf der Haut.
Sprecherin: Die Floating-Welle ist erst vor wenigen Jahren
aus den USA nach Deutschland geschwappt. Sechs Float-Center sind
mittlerweile in Berlin entstanden
Jörg Karst: Also ich kann sagen, dass unsre
Klientel sehr gemischt ist. Da gibt's natürlich vorrangig die jüngeren
Leute, die mal gucken wollen was das ist, da gibt's was Neues und
die wollen sehen, was in Berlin hip ist. Aber ich kann auch sagen,
dass alle Altersstufen uns besuchen und mit sehr unterschiedlichen
Ansprüchen an das Floating und die Floating-Sessions
herangehen.
Sprecherin: Rückenverspannte Manager lassen sich
ebenso gerne im Solewasser treiben wie prüfungsgestresste
Studenten. Sportler visualisieren vor ihrem inneren Auge
Bewegungsabläufe, um sich für's nächste Training fit
zu machen. Und wer gerne ein paar Pfund abnehmen möchte, kann
im Tank diese Botschaft seinem Unterbewusstsein suggerieren.
Gefloatet wird mal mit Musik, mal mit Meeresrauschen, aber auch völlig
abgeschottet von jedem Außenreiz. Die Isolations-Tanks haben
sich zum Wellness-Vehikel für Körper und Geist gemausert.
Dabei fing ihre Geschichte ganz anders an - und zwar mit einem
wissenschaftlichen Experiment. Anfang der 50er Jahre bekam der
kalifornische Arzt und Neuropsychologe John G. Lilly einen Auftrag
vom National Institute of Mental Health. Lilly sollte herausfinden,
wie das menschliche Gehirn reagiert, wenn ihm jeder Reiz entzogen
wird. Benjamin Tochtermann ist Personalberater, Float-Fan und
Lilly-Experte.
Benjamin Tochtermann: Also man hatte zwei Hypothesen,
was passiert mit dem menschlichen Gehirn, wenn ich Reize entziehe,
die erste Hypothese war, das Gehirn ist nicht überlebensfähig,
wenn´s nicht stimuliert wird, da ist man sogar so weit
gegangen, dass da Zellen absterben, oder dass man dann ins Koma fällt.
Die zweite Hypothese, die Lilly vertreten hat, ist, dass das Gehirn
selbstregulierend funktioniert, das heißt keine Stimulanz
braucht, um aktiv zu sein, um zu leben.
Sprecherin: Um sein Hypothese zu überprüfen,
entwickelte Lilly 1954 den ersten Isolationstank. Ganze Nächte
verbrachte er in seinem selbstgebastelten Riesenei. Er fand seine
Annahme bestätigt - und machte noch eine weitere Entdeckung:
Zwei Stunden im Tank sind genauso erholsam wie eine ganze Nacht im
Bett. 1957 bekundete das amerikanische Militär Interesse am
Samadhi-Tank. Man munkelte von Gehirnwäscheexperimenten für
Strafgefangene. Um unabhängig von staatlichen Organisationen zu
sein, distanzierte Lilly sich vom National Institute of Mental
Health und gründete sein eigenes Forschungslabor. Regelmäßig
stieg er in den Isolationstank, warf ein bisschen LSD ein und begab
sich auf Psychotrips. Für Lilly wurde der Tank das ideale
Vehikel, um in sein tiefstes innerstes Selbst zu reisen. Seine
Erfahrungen schrieb er in seinem Buch "im Zentrum des Zyklons"
auf.
Benjamin Tochtermann: Was er beschreibt ist, dass er
mit Bewusstsein konfrontiert ist, aber Bewusstsein oder Intelligenz,
oder intelligenten Formen von Bewusstein außerhalb seiner
selbst. Also sprich, er beschreibt die Begegnung mit Wesenheiten,
deren Intelligenz größer ist als die seine, deren
Bewusstheit umfassender ist als die seine, die ihn aufklären,
dass sind auch biographische Daten, die diese Wesen parat haben und
- ja - ne regelrechte Philosophie.
Sprecherin: "Im Bereich des Geistes gibt es keine
Grenzen", proklamierte Lilly und löste in den 70er Jahren
einen wahren Tank-Boom unter den Selbsterforschungs-Jüngern
aus. Auch heute noch suhlt sich so manch einer gerne in der
Salzlake, um sein Bewusstsein zu erweitern - zum Beispiel Werner
Held.
Werner Held: Es ist so, als würde man in einer
Masse liegen, dieses Salz ist ja schon leicht gelartig, das dann de
Körper dann so n bisschen schluckt, das ist wie als würde
man in so eine Marmelade reingezogen, und dann überlässt
man irgendwann der Marmelade den Körper und macht stattdessen
andere Dinge.
Sprecherin: Zum Beispiel, Kontakt zu Delfinen und anderen
Meerestieren knüpfen. Natürlich nur auf spiritueller
Ebene. Aber auch die hatte für Werner Held Folgen im realen
Leben. Er stellte nicht nur fest, dass er sich immer häufiger
im "Delfinlook" kleidete - also in grauen Pullovern und
Hosen. Nein, er spürte auch ungeahnte Kräfte in sich
aufsteigen.
Werner Held: Man wird zum Träger einergewissen
Energie, die im alltäglichen Leben auch immer wieder erfordert
wird. Delfine sozusagen, Freude am Spiel mit den Elementen. Es
taucht so eine ursprüngliche Freude auf, das spielerische, Es
taucht so eine sehr starke mitmenschliche Verbundenheit, oder
mitfischliche Verbundenheit auf, die dieser Qualität, die dort
bei den Delfinen gelebt wird, entspricht.
Sprecherin: Derartig prägende Begegnungen dürften
den meisten Tank-Besuchern vorenthalten bleiben. Letztlich muss
jeder selbst herausfinden, wofür er ein Bad im Samadhi-Tank
nutzen kann, meint Benjamin Tochtermann. Für den
Personalberater ist der Samadhi-Tank zum Think-Tank geworden.
Benjamin Tochtermann: Mir hat's sehr geholfen bei
Netzwerkaufgaben. Ja, wenn Sie verschiedene Leute eingebunden haben
in ne Thematik. Dann können Sie sich zum einen sehr viel besser
reinversetzen in die verschiedenen Personen. Sie sehen aber auch
viel, viel besser das ganze System. Sie sehen diese systemischen
Aspekte viel klarer. Wer agiert wie in dem System. Man hat einfach
so ne Art Vogelperspektive.
Sprecherin: Und Martina? Delfine sind ihr keine begegnet,
Jobprobleme hat sie auch keine gewälzt und trotz Mutterleibsgefühl
fühlt sie sich nicht so richtig entspannt. Und trotzdem will
sie wieder in den Tank. Vor allem wegen der letzten Minuten.
Martina: Also dann setzt die Musik ein und das fand
ich total schön, das war Klaviermusik, so ne ganz zarte Musik,
das war was schönes, in dieses Nichts kam was ganz schönes,
also für mich persönlich ist das auch was sehr schönes,
aangenhme Musik zu hören, und da hab ich auch gedacht, das hätte
jetzt noch so gehen können......
Bandansage: Ihre Floatsession neigt sich jetzt langsam dem
Ende zu. Wir hoffen, Sie haben sich gut entspannen können. Sie
können jetzt selbst von innen das Licht anmachen und den
Tankdeckel öffnen. Wir möchten Sie bitten, den Tank dann
von außen wieder zu schließen, bevor sie die Dusche
benutzen. Übrigens - der Lichtschalter für die Dusche
befindet sich unter der Handbrause. Genießen Sie jetzt noch
einen Moment die Entspannung in Schwerelosigkeit.
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